Gute Blogtexte schreiben – in 10 Schritten

Gute Blogtexte schreiben – in 10 Schritten
Schreibwerkzeug für Blogautoren

Gute Blogtexte schreiben ist keine Kunst, eher gutes Handwerk. Mit ein bisschen Begeisterung kann man das lernen: auch du.

Für gute Arbeit brauchen Handwerker gutes Handwerkszeug, in diesem Fall: Schreibwerkzeug. Ich habe hier für Blogautoren eine Kiste mit kostenlosem Schreibwerkszeug zusammengestellt. Auch Autoren anderer Blogs dürfen sich hier gerne bedienen. Also greif zu.

Jetzt sind es noch etwa 15 Zeilen – dann kannst du auch schon anfangen mit deinem Blog.

Eins vorab: Das Handwerkszeug aus der Kiste funktioniert. Viele erfahrene Autoren haben es schon milionenfach genutzt und damit gute Blogtexte geschrieben. Ich halte es für schlau, sich an routinierten Blogautoren zu orientieren und ihre Erfahrungen zu nutzen. So kannst du viele Fehler vermeiden, die sie vor dir schon gemacht haben.

Und noch eins vorab: Quäl dich nicht, sondern schreib deinen Blog mit Begeisterung und Spaß an der Sache. Denk daran: du arbeitest nicht, sondern du machst Urlaub und schreibst darüber!

Und das letzte vorab: Im Text spreche ich vor allem Autoren an, die ihren Reiseblog vor Ort schreiben. Aber auch diejenigen, die nach der Reise schreiben, sollten die meisten Werkzeuge benutzen.

Und jetzt probier den Überschriften-Hammer aus und die Recherche-Lupe und die Satz-Säge – einfach alles, was ich in die Kiste gelegt habe und bastel damit an deinem ersten Blog-Text. Nicht lange üben, sondern machen. Deine Reise hat noch nicht begonnen? Dann kannst du zum Beispiel über deine Vorbereitungen schreiben, oder über deine Wünsche und Erwartungen. Ran an die Kiste

1. Überschriften für gute Blogtexte:  Das ist ja der Hammer!

2. Rechercheren für gute Blogtexte: Mit der Lupe unterwegs

3. Damit Blogtexte fertig werden: Mit der Stoppuhr schreiben

4. Gute Blogtexte schreiben – und dabei in den Spiegel schauen

5. Struktur für gute Blogtexte – mit der Axt im Walde

6. Struktur für gute Blogtexte, Teil 2: Mit Schubkarre und Hammer

7. Die Feinstruktur guter Blogtexte – mit Feile und Säge

8. Und jetzt ist Pause

9. Den Blogetxt checken – TÜV-Kontrolle

10. Gute Blogtexte werden richtig gut – mit dem Fotoapparat

1. Überschriften für gute Blogtexte: Das ist ja der Hammer!

Der Überschriften-Hammer ist ein grobes Werkzeug. Wenn du damit hart zuschlägst, dann kannst du damit große Wirkung erzielen.

Überschriften sollten mit einem Schlag deutlich machen, worum es in deinem Blogbeitrag geht. Wenn du also weißt, worüber du schreiben willst – dann nimm den Hammer und schlag zu. Mit deiner Überschrift gibst du den Lesern ein Versprechen. Und je größer das Versprechen ist, desto interessierter werden sie sein. Dieses Überschriften-Versprechen solltest du dann aber auch einhalten.

Viele Schreiblehrer und erfahrene Blogschreiber empfehlen, die Überschrift als erstes zu formulieren. Deshalb hab ich den Überschriften-Hammer auch als erstes vorgestellt. Ich selbst hole den Hammer meistens erst im Verlauf des Schreibens heraus, manchmal auch erst am Schluss. Blogtexte ändern bei mir während des Schreibens oft die Richtung. Ich muss aber gestehen: Wer erst eine gute Überschrift formuliert ist meistens effektiver.

2. Recherchieren für gute Blogtexte: Mit der Lupe unterwegs

Bevor du eine Überschrift über deinen ersten Text hämmern kannst brauchst du eine Geschichte, oder zumindest ein Thema. Geschichten liegen auf der Straße, erzählen erfahrene Journalisten. Aber auch auf der Straße musst du sie erst einmal finden. Also pack die Lupe aus und schau sehr genau hin auf deiner Reise – schon am ersten Tag. Und wenn du etwas Interessantes siehst, dann sprech mit den Menschen vor Ort darüber. Oder probier es aus, wenn du die Gelegenheit dazu bekommst.

Für gute Blogtexte musst du auf jeden Fall recherchieren. Das hört sich jetzt vielleicht nach Arbeit an. Tatsächlich ist es aber das reine Vergnügen. Recherchieren für Backpacker 50plus heißt unterwegs die Fragen zu stellen, die du immer schon gerne stellen wolltest. Es heißt, die Dinge genauer zu betrachten, die du dir immer schon richtig ansehen wolltest. Wer recherchierend durch ein fremdes Land fährt, der reist intensiver. Du wirst vermutlich spannende Begegnungen mit den Einheimische haben. Du wirst das Land und seine Bewohner auf diesem Wege besser verstehen. Wahrscheinlich willst du Recherche-Lupe bald gar nicht mehr aus der Hand geben und die Fragerei genießen. Recherchieren hat Suchtpotential. Deshalb ein Rat an unsere Blog-Autoren: Legt die Lupe hin und wieder zur Seite. Vergesst vor lauter Recherchieren nicht, dass ihr gerade Urlaub macht.

Also macht lieber kein Arbeitsprojekt aus eurem Reiseblog. Deshalb: Nicht ständig mit der Recherche-Lupe durchs Land fahren. Und wenn ihr die Lupe benutzt, dann solltet ihr das mit Genuss tun.

Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Und warum? Diese journalistischen Grundfragen findest du in den meisten Lehrbüchern im Kapitel Recherche. Wenn du deine Recherche mit diesen Fragen beginnst, dann bis du schon auf einem guten Weg. Keine Angst vor der Fragerei! Schließlich bist du im Auftrag deiner Leser unterwegs.

Wenn du Interessantes erfährst, dann schreib es auf, damit du dich später daran erinnerst. Nimm einen Block mit, oder eine Kladde, oder schreib alles in dein Handy.

Die Recherche wird später oft auch Teil der Erzählung eines guten Blogbeitrages. Es interessiert die Leser, wie du etwas entdeckt, oder herausgefunden hast, oder mit wem du etwas erlebt hast. Und  es macht deine Geschichte glaubwürdig.

Wenn du genug recherchiert hast, dann leg los mit dem Schreiben.

„Moment“, hör ich so manchen Leser jetzt fragen. „Wann bitteschön hab ich denn „genug“ recherchiert?“ Wenn die Geschichte rund ist. Es gibt Autoren, die recherchieren alles – wirklich alles. Ich empfehle: Recherchier das, was dich selbst interessiert. Das reicht meistens schon für gute Blogtexte  – zumindest für gute Reiseblogtexte. Dafür musst du nicht alles wissen, sondern wissen, welche Geschichte du erzählen möchtest.

 

3. Damit Blogtexte fertig werden: Mit der Stoppuhr schreiben

Hast du dir schon überlegt, wann du deinen Blog schreiben möchtest? Wann hast du überhaupt Zeit dafür? Viele neue Blogautoren möchten sich bei dieser Frage nicht festlegen. „Das mach ich zwischendurch, da wo ich gerade bin und Zeit habe“, hör ich dann hin und wieder. In der Praxis ist das aber nicht so einfach. Du kannst nur dann schreiben, wenn dein Leben es zulässt. Sind deine Tage bis oben hin voll, dann bleibt keine Zeit mehr für deinen Blog. Deshalb überleg dir besser vor der Reise, wie du das organisierst. Und versuch später, dich an deinen Plan zu halten.

Als Ort zum schreiben hat sich bei Reisebloggern häufig das Cafe bewährt. Andere brauchen unbedingt die Ruhe in ihrem Hotel. Vor Ort musst du wahrscheinlich improvisieren.

Und womit schreibst du? Mit fremden Computern in Internetcafes? Das ist mühsam. Oder hast du deinen Laptop dabei? Der ist aber ziemlich schwer im Rucksack. Ich selbst benutze ein Tablet mit Extra-Tastatur. Das ist leicht und damit kann ich auch noch Fotos schießen. Du kannst deinen Blog sogar mit dem Handy schreiben. Für mich wäre das allerdings zu mühsam. Wie auch immer du vorgehst – jetzt geht‘s endlich los.

Du bist also gut vorbereitet, hast dein Equipment und die Schreibmaske für den Blog (folgt) zuhause ausprobiert. Und du hast eine Geschichte im Kopf. Jetzt stell dir kurz vor, du erzählst diese Geschichte einer guten Freundin oder einem guten Freund – so, wie dir der Mund gewachsen ist. Dann hast du vermutlich schon die richtige Sprache gefunden – nicht zu distanziert, nah dran am Leser.

Bevor du jetzt das erste Wort schreibst stellst du deinen Wecker, oder den Timer deines Handys auf 30 bis maximal 60 Minuten.

Und dann schreibst du. Schreiben, schreiben, schreiben – schreib drauf los was das Zeug hält. Erzähl deine Geschichte von Anfang bis Ende zügig durch. Halte dich nicht mit Kleinigkeiten auf, wie Satzstellung, oder Kommata. Und wenn du merkst, dass du noch einige Details recherchieren musst: nicht jetzt. Schreib dir die ungeklärte Frage auf und dann schreib weiter – alles was dir einfällt, einfach alles hintereinander. Beschreibe die Dinge so, wie du sie erlebt hast. Wie war die Stimmung? Was genau hast du gesehen? Welche Farben hatte etwas? Wer hat etwas getan? Was hast du getan? Warum? Was hat dir gefallen – was nicht? Was war besonders? Schreib so, dass der Leser sich alles vorstellen kann. Versuch dabei nicht kunstvoll zu formulieren, sondern schreib einfach alles auf, so, also ob du es deinem Freund oder deiner Freundin erzählen würdest – in maximal 60 Minuten.

Warum dieser Zeitdruck? Es gibt tausende angehender Autoren, deren Werke nie fertig geworden sind und leider auch nie fertig werden. Versuche einer von den Autoren zu werden, deren Texte tatsächlich veröffentlich werden.

Dazu gehört etwas Disziplin. Also lass dich nicht ablenken. Störungen hemmen den Schreibfluss und machen dich langsam. Also beende den Text, den du beginnst – diesen einen Text. Schreibe nicht 10 Entwürfen für verschiedene Themen, sondern schließe diesen Texte ab.

Wenn du zwischendurch Ideen für weitere gute Blogtexte hast, dann schreib sie auf, leg sie aber erst einmal zur Seite.

 

4. Gute Blogtexte schreiben – und dabei in den Spiegel schauen

Schreib über deine eigenen Erfahrungen. Schreib über dich. Ein narzistischer Mensch würde vermutlich gar nicht auf den Gedanken kommen, das nicht zu tun. Anderen dagegen ist es eher fremd, über sich selbst zu erzählen. Für Blogschreiber kann etwas Selbstverliebtheit zumindest hilfreich sein. Dafür habe ich euch den Spiegel in den Werkzeugkasten gelegt. Blickt immer mal wieder hinein, wenn ihr schreibt. Die Leser möchten deine Geschichten lesen, so wie du sie erlebt und gesehen hast.

So ein Spiegel ist für manche Blogautoren aber auch gefährlich. Wer zu oft und zu lange hinein schaut, der nimmt sich womöglich am Ende zu wichtig. Tut mir Leid. An dieser Stelle sehe ich oft nur noch Fragezeichen in den Augen. Ja was denn nun? Sollst du jetzt deine eigenen Geschichten erzählen, oder nicht? Ja, sollst du. Aber du musste nicht immer der einzige und wichtigste Held in deiner Geschichte sein. Denk an den Leser. Du schreibst über Erlebnisse und Menschen in einem für viele Menschen fremden Land. Die Besucher deines Blogs wollen von dir etwas über dieses Land und deine Erfahrungen dort lesen. Sorry, aber für gute Blogtexte bist du oft eher der Bote. Die Menschen, über die du schreibst, sollten zumindest auch Helden deiner Geschichten sein.

Erfahrende Blogautoren empfehlen: menschlich schreiben, auch von dir selbst. Du erzählst also im Internet von deinen persönlichen Erlebnissen – du erzählst der ganzen Welt davon. Bei all dem Persönlichen solltest du dir aber Grenzen setzen. Bevor du mit dem Bloggen beginnst mach dir klar, welche Dinge du preisgeben möchtest und vor allem, welche nicht. Und an diese Grenzen hältst du dich dann auch bitte. Brech keine eigenen Tabus für ein paar zusätzliche Leser.

Also wie weit willst du gehen? Überleg dir einfach: Was sind Dinge, die dir bei anderen gar nicht gefallen, wenn sie sie auf einem Blog erzählen? Hier ist vermutlich deine persönliche Grenze erreicht.

5. Struktur für gute Blogtexte – mit der Axt im Walde

In guten Blogtexten müssen Leser nicht lange herum suchen, sondern sie finden sich darin sofort zurecht. Damit auch dein Beitrag ein guter Blogtext wird, solltest du jetzt erst einmal aufräumen.

Stopp! Bevor du jetzt loslegst mach erst einmal eine Kopie deines bisherigen Textes!

Dann wird es hart für dich. Stell dir vor, dein Text ist ein Wald. Jetzt nimm die Axt und schlag ab, was von deiner eigentlichen Geschichte wegführt. Radikal! Geh allen Bäumen und Bäumchen in deinem Text an den Kragen, die dem Leser den Blick für deine eigentliche Geschichte versperren. „Kill your own darlings“ empfehlen Schreiblehrer oft an dieser Stelle. Ich weiß, es tut weh, Textpassagen zu löschen, an denen du mit Herzblut geschrieben hast. Tu es trotzdem. Quäl den Leser nicht mit Nebensächlichkeiten, die nichts mit deinem Thema zu tun haben. Räum den Blick frei für deine Geschichte, für die Geschichte, die du wirklich erzählen willst. Komm auf den Punkt.

Kleiner Trost: Du musst sie ja nicht wirklich umbringen, deine „Darlings“. Sie leben ja noch in der Kopie, die du vorher gemacht hast. Und wenn diese „Lieblinge“ wirklich gut sind, dann wirst du über sie demnächst noch weitere gute Blogtexte schreiben.

Also erzähl nicht alles was du weißt, sondern all das, was den Leser interessiert. Konzentrier dich auf das Wesentliche und weg mit dem Rest. Denk immer daran, dass der Leser verstehen möchte was du schreibst. Lass ihn nicht allein bei der Auswahl dessen, was wichtig ist und was nicht.

Du hast es also getan und bis mit der Axt durch deinen Text gegangen. Bei deinen ersten Texten kann es dir  passieren, dass deine Geschichte nach der Reinigung mit der Axt wie nach einem Wirbelsturm aussieht. Alles abgehackt und da steht womöglich nur noch ein einzelner Baum. Dann hast du es vielleicht etwas übertrieben. Wahrscheinlich hast du dem Leser aber gerade einen großen Gefallen getan, weil du dich auf das Wesentliche konzentrierst. Genau das zeichnet gute Blogtexte in der Regel aus.

Wenn du dich bei der ganzen Hackerei mit der Axt jetzt fragst, was denn das Wesentliche deines Textes sein soll, dann ist es jetzt an der Zeit, noch einmal einen Blick auf die Überschrift zu werfen. Und wenn du noch keine hast, dann schreib jetzt eine. Also hol den Überschriftenhammer raus. Den brauchst du sowieso für den nächsten Schritt.

6. Struktur für gute Blogtexte, Teil 2: Mit Schubkarre und Hammer

Jetzt wechsel bitte kurz die Perspektive, betrachte deinen Text aus der Sicht eines Lesers. Der geht in der Regel so vor. Wenn ihn die Überschrift oder ein spannendes Foto deines Textes packen, dann schaut er sich als nächstes in der Regel weitere Bilder an, oder er liest den ersten Absatz, oder er scannt den Text anhand der Zwischenüberschriften. Wenn du möchtest, dass er deinen Blogtext weiter liest, dann solltest du auf den ersten Absatz und auf die Zwischenüberschriften also besonderen Wert legen.

Dazu bringst du den Text jetzt in die richtige Reihenfolge. Eine oft genutzte Reihenfolge oder Struktur von Texten haben die meisten in der Schule gelernt: Einleitung, Hauptteil, Schluß. Es geht auch anders, ja, aber versuch es lieber zunächst einmal mit dem bewährten Schema. Also hol die Schubkarre heraus und transportiere die Abschnitte, Sätze und Worte deines Textes hin und her, bis sie an der richtigen Stelle stehen. Dabei unterteilst du den Text mit vielen Absätzen in leicht verdauliche Stücke. Kein Leser mag Bleiwüsten. Keiner! Teilen macht Freude.

Am Anfang steht jetzt also deine Einleitung. Gute Blogtexte erzählen dem Leser im ersten Absatz, worauf er sich bei ihnen einlässt. Ein guter Blogartikel führt den Leser im ersten Absatz auf die Spur, der er im folgenden Text folgen darf. Denk daran: Der erste Absatz ist oft das erste, was ein Leser sich ansieht. Also sag ihm, welche Geschichte du ihm erzählen wirst? Und nur für den Hinterkopf: Der erste Absatz wird auch bei Google als Suchergebnis angezeigt, wenn dein Beitrag bei der Suchmaschine auftaucht. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du mit deinen Blogbeiträgen bei Google gefunden wirst, dann empfehle ich dir meinen Artikel Google will auch dich: eine Moderne Liebesgeschichte. (zur Zeit noch in Arbeit)

Beim Hauptteil ist wichtig, dass alles logisch ist. Vielleicht schon beim ordnen, spätestens aber wenn die Struktur steht, gibst du den einzelnen Absätzen Unterüberschriften. Die sind für die Orientierung des Lesers ungemein wichtig. Oft werden Internettexte von den Lesern zunächst anhand der Unterüberschriften gescannt. Also auch hier gilt: den Überschriftenhammer mit Sorgfalt einsetzen.

Beim Schluss können wir bei backpacker 50plus etwas nachlässiger sein. In Tutorials für Blogger lese ich oft die Empfehlung, den Leser am Schluss aufzufordern, noch etwas zu tun. Als Autor kannst du ihm zum Beispiel eine Frage stellen, die er dann im Kommentar beantworten soll. Das ganze dient auf kommerziellen Seiten oft der Verkaufsförderung. Internet-Marketingexperten wissen: je länger Besucher auf einer Seite verweilen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort etwas kaufen.

Leserbindung über Kommunikation macht natürlich auch für Backpacker 50plus Sinn. Aber mach dir lieber keinen Kopf darüber. Gute Blogtexte funktionieren auch ohne Aufforderung am Ende. Erzähl einfach deine interessante Geschichte.

 

7. Die Feinstruktur guter Blogtexte- mit Feile und Säge

Lange und verkapselte Sätze sind schwer zu lesen. Das will niemand, schon gar nicht auf einem Reiseblog. Deshalb schreib wie du sprichst, dann werden die Sätze automatisch kürzer. Für deinen Blogtext heißt das jetzt: Hol die Säge raus, zersäge die langen Schwurbelsätze und mach kurze daraus. Das bedeutet nicht, dass du nur noch Hauptsätze aneinander reihen sollst. Auch das ist auf Dauer langweilig. Aber mach es dem Leser bitte nicht so schwer. Formulier kurz und knackig – mit gutem Wortmaterial.

Worte und meinetwegen auch Buchstaben gibt es mehr als genug. Sie sind, wenn man so will, ein kostenloser Baustoff für Texte. Bei dem Baustoff darf sich natürlich jeder nach Herzenslust bedienen. Man kann also quasi irgendwie jeden Buchstaben verwenden, allerdings natürlich nur die, die im Alphabet vorkommen. Aber das sind gewissermaßen eben doch alle. Und das alles kostet, wie gesagt, nichts, denn Gedanken und Buchstaben sind bekanntlich frei und umsonst.

Aber nicht alles, was nichts kostet, musst du verwenden. Bitte verschwende keine Buchstaben für Füllwörter. Die sind, wie gesagt quasi irgendwie auch brauchbar, aber bekanntlich natürlich auch unbeliebt beim Leser. Also alle Füllwörter wegfeilen.

Und dann feilst du weiter an deinen Formulierungen. Passiv braucht kein Mensch in Blogartikeln. Formulier aktiv. Du wirst nicht vom Tuktuk-Fahrer zum Bahnhof gebracht, sondern der Tuktuk-Fahrer bringt dich zum Bahnhof.

Wenn ein Mann etwas tut, dann ist das gut, und wenn eine Frau es tut genau so – aber man sollte lieber nichts tun in guten Blogartikeln. Also erzählt nicht, was „man“ tun kann, sondern erzählt was Frau und Mann tun. Meistens haben Frau und Mann auch einen Namen. Dann solltest du ihn auch benutzen.

Praxistipp: Geh bei der Textbearbeitung im Browser auf „Bearbeiten“- „Suchen“  und dann gib „man“ ein. Und dann schau nach, wie viele „mans“ du davon wirklich brauchst. Es werden sehr wenig sein.

Mit Text-Hervorhebungen solltest du  sparsam sein. Die verwirren im Internet eher, als dass sie nützen. Setz lieber noch mehr Unterüberschriften ein. Und auf jeden Fall solltest du nichts unterstreichen. Im Internet sind die Leser es gewohnt, dass unterstrichene Worte oder Satzteile auf einen Link verweisen. Es irritiert deshalb, wenn unterstrichene Worte keinen Link enthalten.

Wer mehr über gute Texte erfahren möchte, dem empfehle ich von Wolf Schneider und Luis Murschetz „Deutsch für Profis: Wege zu gutem Stil für 9 €.

8. Und jetzt ist Pause

Also bis später!

Du darfst natürlich weiter lesen, klar. Aber für dein zukünftiges Blogger-Leben empfehle ich an dieser Stelle eine Paus Leg deinen Text einfach zur Seite und beschäftige dich mit etwas anderem. Und später, vielleicht erst morgen, hört sich die Geschichte, die du gerade geschrieben hast, ganz anders an. Dinge, die du heute logisch findest sind es morgen vielleicht gar nicht mehr. Also hol dein Pausenbrot heraus – oder mach einfach nur Urlaub.

9. Den Blogetxt checken – TÜV-Kontrolle

Gäbe es einen Text Überwachungs Verein, dann würdest du mit deinem Beitrag jetzt wahrscheinlich schon eine TÜV-Plakette bekommen. Schau dir trotzdem noch einmal alles an. Wie liest sich dein erster Blogtext jetzt nach der Pause? Bist du zufrieden? Ist alles logisch? Oder möchtest du mit dem ein oder anderen Schreibwerkzeug noch einmal nacharbeiten?

Wenn du wissen möchtest, wie dein Blogtext wirkt, dann lies ihn dir laut vor. Oder lies ihm jemand anderes vor.

Du kannst dir den Beitrag auch von einer Google-Stimme vorlesen lassen. Dazu den Text einfach per copy and paste im Google Übersetzungsprogramm einfügen. Anschließend unten auf  das Mikrofon-Symbol klicken. Klingt der gesprochene Text gut, dann ist er vermutlich auch gut lesbar.

Zur Endkontrolle gehört auch die Suche nach Rechtschreibfehlern. Für WordPress, dem Programm, in dem du deinen Blog schreibst, gibt es bisher kein vernünftiges Programm zur Rechtschreibprüfung. Deshalb kopier deinen Beitrag bitte und füge ihn in dein Schreibprogramm ein. Bei den meisten wird das Word von Microsoft sein. Dort kannst du jetzt mit „Überprüfen“ – „Rechtschreibprüfung“ die Fehler in deinem Text suchen.

Hier noch den Aspekt besprechen, dass die Überschriften dabei verloren gehen können!

Für kurze Texte bis zu 800 Worten eignet sich auch die Duden-Rechtschreibprüfung. Sie ist meines Erachtens aber umständlicher.

An dieser Stelle ein guter Rat für alle, die zum Perfektionismus neigen: Es ist nur ein Blogtext. Auch für gute Blogtexte müsst ihr nicht alles geben. Einige von euch haben vielleicht schon vom Paretoprinzip gehört. Der Soziologe Vilfredo Pareto hat schon Anfang des vorigen Jahrunderts  ein statistisches Phänomen beschrieben, das noch heute im Projekt- und Zeitmanagement häufig beschrieben wird. Nach Pareto lassen sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % erledigen, sodass 80 % aller Probleme gelöst werden. Andererseits braucht man für die restlichen 20 Prozent der Probleme 80 % des Mitteleinsatzes. Dieses Phänomen lässt sich nicht auf alle Lebensbereiche übertragen, aber beim Blogschreiben passt es hervorragend. Mach dich nicht verrückt, ärger dich nicht über Kleinigkeiten. Schreib öfter mal einen interessanten 80-Prozenter. Das reicht. Schließlich brauchst du ja noch Zeit für neue Abenteuer.

 

10. Gute Blogtexte werden richtig gut – mit dem Fotoapparat

Die Surfer im Netz sind nicht nur Leser, sondern vor allem auch Gucker. Speziell auf Reiseblogs erwarten die Leser gute Fotos. Ein sehr guter Fotograf schreibt zur Zeit ein Tutorial zum Thema gute Blogfotos (folgt) für backpacker 50plus . (Bitte noch etwas Geduld). Bis dahin schaut euch doch schon mal die Foto-Tipps bei BlueElephants, bei Before We Die, oder bei 22places an.

Also nehmt den Fotoapparat oder das Handy mit und schießt drauf los.

Aber!

Fotos im Internet haben schon so manchen viel Geld gekostet. Ganze Rechtsanwaltskanzleien haben sich darauf spezialisiert Internetseiten-Betreiber für die falsche Nutzung von Bildern abzumahnen. Aber keine Bange. Wer sich an die Regeln hält ist sicher. Wie man Bilder rechtssicher verwendet kann man zum Beispiel bei eRecht24 nachlesen. In dem Artikel geht es vor allem um Nutzungsrechte an Bildern die man nicht selbst gemacht hat. Das sind zum Beispiel Fotos aus Datenbanken im Internet. Solche Bildquellen sind für Backpacker 50plus tabu.

Macht eure Fotos selbst. Für gute Blogtexte brauchen und wollen wir keine fremden Bilder. Der Anspruch von Backpacker 50plus ist: selber fotografieren. Wir wollen authentisch sein, statt Erlebnisse mit fremden Bildern vorzugaukeln.

Ein weiterer Grund für den Verzicht auf fremde Bildquellen ist das deutsche Urheberrecht. Allein der Urheber eines Bildes, also in der Regel der Fotograf, bestimmt, was mit seinen Bildern geschieht. Ohne dessen ausdrücklicher Zustimmung darf nichts veröffentlicht werden. Wer es trotzdem tut lebt gefährlich und wird womöglich abgemahnt. Das kostet dann oft einen vierstelligen Betrag. Also kopiert nichts von anderen Seiten und verwendet auch keine Bilddatenbanken aus dem Internet. Wer glaubt, dass er nicht erwischt wird, der sollte sich mal die Seite Geklaute Fotos finden mit der Googel Bildersuche ansehen. Also schießt eure Fotos selbst.

Aber!

Auch dann darst du nicht jedes Foto veröffentlichen. Denn jeder Mensch hat ein „Recht am eigenen Bild“. Du must also fragen, wenn du jemanden fotografieren und und das Foto dann veröffentlichen willst. Wenn die Person das nicht will, dann musst du das hinnehmen – und zwar nicht im Nachhinein, sondern vor der Veröffentlichung. Also frag höflich. Wer das tut bekommt bekommt häufig auch ein freundliches ja.

Bei Kindern musst du die Eltern fragen.

Ohne Zustimmung veröffentlichen darfst du Fotos, auf denen die Personen nur „Beiwerk“ sind, zum Beispiel weil sie zufällig vor einem fotografierten Gebäude vorbei liefen. Bei Sehenswürdigkeiten wäre es kaum möglich, von allen Personen eine Zustimmung zu bekommen. Das gleiche gilt für Versammlungen, Aufzüge und volkstümliche Ereignisse. Auch bei solchen Veranstaltungen wäre es kaum möglich, von jedem die Fotoerlaubnis zu bekommen. Bei einer Hervorhebung einzelner Teilnehmer muss man allerdings fragen.

Ok. ihr habt also die Zustimmung.

Aber!

Auch nicht jeder Ort darf einfach fotografiert und  veröffentlicht werden. Innenräume und privates Eigentum sind tabu, dürfen nur mit Einwilligung veröffentlicht werden. Auch bei Kunstwerken solltest du vorsichtig sein. Wer zum Beispiel in einem modernene Museum fotografiert, der darf die Bilder nicht einfach veröffentlichen, sondern – genau  – muss nachfragen. Das gleiche gilt für geschützte Marken: nur mit Zustimmung des Markeninhabers veröffentlichen.

Wenn du dich an diese Regeln hälst, dann bist du schon ziemlich sicher.

Aber!

In Deutschland gilt die sogenannte Panoramafreiheit. Das heißt, dass du Gebäude und Kunstwerke von öffentlichen Plätzen und Wegen aus fotografieren darfst. In anderen Ländern gibt es diese Panaramafreiheit aber teilweise nicht. Um den Eiffelturm bei Nacht zu fotografieren und vor allem zu veröffentlichen braucht man eine Genehmigung, denn die Beleuchtung des Turms ist urheberrechtlich geschützt. Und auch vom Atomium in Brüssel darf man nicht einfach Fotos veröffentlichen.

Aber!

Alles halb so schlimm. Wer eigene Fotos macht und fragt, der ist so gut wie auf der sicheren Seite. Und wer fragt, der erfährt dabei meistens noch ein paar Details für seinen Blogtext.

Ihr habt also tolle Fotos. Jetzt müsst ihr sie nur noch in den Text einfügen.

 

Und noch eine Bemerkung zum Schluss:

In meinem Werkzeugkoffer sind eine Menge Werkzeuge für gute Blogtexte. Ich habe dabei aus gutem Grund auf Kopierwerkzeug verzichtet. Mein dringender Rat: Klau nichts von anderen, sondern mach alles selber, nicht nur bei den Fotos, sondern auch bei den Texten. Nie, nie, nie einfach andere kopieren. Wirklich nie! Zitate bitte als solche kennzeichnen. mit Anführungsstrichen und Quellenangabe. Zumindest zu längeren Zitaten gehört so ein Quellenhinweis dazu, wenn es geht bitte auch mit einem Link zur Quelle.

Grundsätzlich finde ich: Haltet euch nicht viel mit Zitaten auf. Ihr habt selber genug zu sagen und zu zeigen. Die Internetwelt freut sich schon auf gute Blogtexte und gute Blogfotos von von euch.

Dann mal los! Ich wünsch euch gutes Gelingen.

Dieter